Wulff, Christian – Ganz oben, ganz unten

Man muss die ersten 100 Seiten dieses Schmökers überleben, sowie die unkritische Haltung zu Parteiendemokratie und der eigenen Rolle als Bundespräsident nicht auf die Goldwage legen, dann geht es bei Christian Wulff zur Sache:

  1. Seine Ausführungen zum Thema Integration liefern den Unterbau zur Behandlung des Themas als Bundespräsident und zeigen, dass er mit diesem Thema bislang besser punkten konnte als sein Nachfolger Gauck mit dem Thema „Freiheit“.
  2. Seine Ausführungen zur christlichen Interpretation vom gesellschaftlichen Miteinander sind beachtenswert – gerade in direkter Konfrontation zu fundamentalistisch-christlichen Stimmen aus Deutschland.
  3. Seine Manöverkritik vor allem an „Blödzeitung“ (Paul Stöver), SPIEGEL und FAZ werfen die Frage auf, weswegen es bei den entsprechenden Verlagen nichts, aber auch gar nicht gegeben hat, um den Qualitätsjournalismus nicht an der Nase durch die Manege zu schleifen; Gerüchte wurden wie Tatsachen behandelt, Entlastendes unter den Tisch fallen gelassen, drohende Negativschlagzeilen als Erpressungsgegenstand genutzt. Man hat ohne Zwang die Hosen runter gelassen.

Und so schreibt Peer Steinbrück über das Buch:

Mit einem gewissen Abstand stellen sich der ‚Abschuss‘ und die Entwürdigung von Christian Wulff als Skandal eines gewalttätigen Journalismus im Umgang mit einem Politiker dar. […] Die Spiegel-Affäre vor über 50 Jahren war schlechthin der Skandal der Politik im Umgang mit einem kritischen Journalismus und der Pressefreiheit. Jetzt ist es umgekehrt.

Bei der FAZ ist Jürgen Kaube vom Buch nicht begeistert. Wen wundert’s.

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